Wir trauern um Prof. Dr.-Ing. Hartmut Wittenberg

Die Deutsche Hydrologische Gesellschaft nimmt Abschied von ihrem Ehrenmitglied Prof. Dr.-Ing. Hartmut Wittenberg. Er verstarb am 23. August 2026 im Alter von 83 Jahren in Bad Bevensen. Mit ihm verlieren wir einen herausragenden Wissenschaftler, einen leidenschaftlichen Hochschullehrer, einen Vermittler deutschen Wasserfachwissens rund um den Globus – und einen Menschen mit feinsinnigem Humor und einer kollegialen, vermittelnden Art.
Ein Leben für die Hydrologie
1969 schloss Hartmut Wittenberg sein Bauingenieurstudium an der TU Braunschweig ab. Nach zwei Jahren in einem Bauunternehmen wechselte er 1971 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Lehrstuhl von Prof. Dr. Erich Plate nach Karlsruhe; dort promovierte er 1974 zum Dr.-Ing. über den Einfluss der Bebauung auf den Hochwasserabfluss. Es folgten acht Jahre in einem Planungsbüro, in dem er als Projektleiter und Chefhydrologe wasserwirtschaftliche Vorhaben in Afrika, Asien und Lateinamerika verantwortete.
Seine akademische Laufbahn führte ihn 1983 an die FH Hagen, 1988 nach Suderburg (FH Nordostniedersachsen) und schließlich 2005 an die Leuphana Universität Lüneburg. 2008 verabschiedete er sich in den Ruhestand – nutzte diese Zeit aber keineswegs zum Ausruhen: Er brachte sein Lehrbuch „Praktische Hydrologie“ heraus, das die Ingenieurhydrologie mit vielen anschaulichen Beispielen verständlich macht.
Sein Wirken für die Hydrologie
Hartmut Wittenberg hinterlässt ein beachtliches Werk: über 100 Publikationen in internationalen Fachzeitschriften, die heute noch vielfach zitiert werden. Seine Forschung umspannte Hochwasserabfluss, Grundwasserhaushalt, Basisabflussseparation, Verdunstung, anthropogene Einflüsse auf den Wasserhaushalt und speicherwirtschaftliche Fragen. Maßstäbe setzten vor allem seine nichtlinearen Speichermodelle zur Beschreibung des Grundwasserabflusses im Norddeutschen Tiefland.
Wegweisend war sein früher Blick auf die Interaktionen zwischen Oberflächen- und Grundwasser – ein Thema, das lange zu wenig Beachtung fand und ohne das viele heutige Fragen kaum zu lösen wären. Als Gastgeber des Tags der Hydrologie 2002 in Suderburg mit dem Titel „Wechselwirkungen zwischen Grund- und Oberflächenwasser“ gab er diesem Thema ein Forum und verschaffte ihm Gewicht. Seit seiner Pensionierung rückten erneut wasserbauliche Themen in den Fokus, wobei die Archäologie einen originellen Schwerpunkt bildete.
Botschafter der deutschen Wasserwirtschaft
Neben Lehre und Forschung führte Hartmut Wittenberg ab 1988 ein eigenes Planungsbüro und arbeitete als Fachgutachter und Projektentwickler. Seine seltene Sprachbegabung – vier Fremdsprachen – öffnete ihm die Türen zur Welt: In mehr als 25 Ländern auf vier Kontinenten entstanden über 60 Projekte und Studien. Er gehörte damit zu jenen Menschen, von denen man ohne Übertreibung sagen kann: Sie haben deutsches Wasserfachwissen in die Welt getragen und zugleich zur nachhaltigen wasserwirtschaftlichen Entwicklung dieser Länder beigetragen.
Dank und Erinnerung
Für seine Verdienste zeichnete die Deutsche Hydrologische Gesellschaft Hartmut Wittenberg 2017 mit dem Deutschen Hydrologiepreis aus. Wir verlieren einen geschätzten Kollegen, der uns mit seiner kollegialen, vermittelnden Art und mit mancher kenntnisreichen Anekdote bereichert hat. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie.
Deutsche Hydrologische Gesellschaft